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details
Titel:
Entfaltung der Persönlichkeit
Autor:
Liz Greene und Howard Sasportas
Seiten:
370
Preis:
24,90 EUR
In diesem Buch zeigen Ihnen die Autoren erstmalig Wege und Methoden, um weit reichende tiefenpsychologische Strukturen und Prägungen im Horoskop zu erkennen. In vier Hauptabschnitten werden folgende Persönlichkeitselemente erfasst:
Frühkindliche Prägungen
Die Ehe der Eltern und eigenes partnerschaftliches Verhalten
Verdeckte Persönlichkeitsstrukturen
Der Konflikt zwischen Jugend und Alter
In jedem Kapitel wird in gut verständlicher Weise die Psychologie dieser verborgenen Strukturen vorangestellt, gefolgt von einer eingehenden Darstellung astrologischer Methoden, mit denen Sie diese Persönlichkeitselemente im Horoskop aufspüren können.
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Biographie
Leseprobe
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biographie
Liz Greene
(1947) ist promovierte Psychologin und Jungsche Analytikerin. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Astrologin und gibt Seminare in ganz Europa. Beim Astrodienst Zürich wirkte sie an der Entwicklung von mehreren Textanalysen mit. In London gründete sie zusammen mit Sasportas das
Center for Psychological Astrology
, das sie heute leitet. Neben zahlreichen Fachartikeln hat sie 22 Bücher geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt wurden.
Howard Sasportas
(1948) Studium der Humanistischen Psychologie. Er kam 1973 nach London wo er Ausbildungen in Astrologie und Psychosynthese absolvierte. 1983 gründete er gemeinsam mit Liz Greene das
Centre for Psychological Astrology
, das er bis zu seinem Tod leitete. Nach längerer Krankheit verstarb er im Jahr 1992.
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leseprobe
Das Thema des heutigen Seminars, die elterliche Ehe, wie sie im Horoskop aufscheint, und die sich daraus ergebenden Implikationen für persönliche Beziehungen, stellt nicht nur eine Situation im konkreten Leben dar. Die elterliche Ehe ist auch ein archetypisches Bild und ich möchte eben diese Dimensionen zuerst untersuchen. Der Einfluss der Ehe der Eltern auf die Psyche des Kindes und auf die späteren Beziehungsmuster des erwachsen gewordenen Kindes, hängt zum Teil von dieser archetypischen Dimension ab; denn die wirklichen Eltern sind die Überbringer oder Überträger der archetypischen Eltern. Für das Kind sind sie die Weltmutter und der Weltvater und werden erst später im Leben wirkliche Menschen –wenn überhaupt. Ein Archetyp beschreibt ein Muster oder eine Neigung für eine bestimmte Art des instinktiven Ausdrucks, eine Lebenserfahrung, die allen Menschen gemeinsam ist. Die menschliche Psyche erlebt diese instinktiven Triebe als zwanghaft und dennoch als numinos, weil sie Ebenen entspringen, die wir nicht verstehen und nicht kontrollieren können. Die Psyche formt auf diese Art spontane Bilder, um die Macht der Instinkte zum Ausdruck zu bringen. Dies sind die Götter und Göttinnen der Mythen und die psychischen Selbstporträts grundlegender Entwicklungsmuster.
Wir alle erleben beispielsweise die Pubertät, weil sie einen wesentlichen biologischen und psychologischen Scheideweg darstellt an dem die sexuelle Natur des Individuums sich zu differenzieren beginnt. Die Pubertät wird von grundlegenden Veränderungen auf vielen Ebenen begleitet, emotionell und spirituell ebenso wie psychologisch. Oft wird zum Beispiel eine Person während dieses Lebensabschnittes sehr religiös und zeigt ein tiefes und glühendes Interesse an spirituellen Fragen. In Mythen und Märchen wird der Übergang vom Kind zum sexuell differenzierten Erwachsenen auf zahlreiche Arten dargestellt, aber er wird fast immer als Übergangsritus, als Initiationsprozess beschrieben. Das Motiv der »Todes-Hochzeit« beispielsweise, das sowohl im HadesPersephone-Mythos, als auch in der Geschichte von Eros und Psyche auftaucht, kann zum Teil als eine Darstellung des Übergangs von der Kindheit und ihrer psychischen Einheit mit der Mutter in das Erwachsenenalter und dem damit verbundenen Zustand des Alleinseins und der Befangenheit verstanden werden. Persephone ist eine Jungfrau, die in Einheit mit ihrer Mutter lebt und vom Leben unberührt ist. Sie wird vom Gott Hades entführt und in die Unterwelt verschleppt, wo sie der Gott vergewaltigt oder sexuell in sie eindringt und dadurch ihre Wesensnatur verändert. Sie kann nie mehr zur Unschuld ihres früheren Zustandes zurückkehren. In der Geschichte von Eros und Psyche ist Psyche zum Sterben verurteilt und wird von ihrem unsichtbaren Bräutigam davongetragen, dem Gott Eros, den sie aber noch nicht sehen kann. Als sie ihm schließlich ins Gesicht sieht, ist sie gewandelt, und obwohl sie am Ende der Geschichte wieder so vereint sind, wie am Anfang, ist es eine andere Art von Einheit, und Psyche hat eine Wandlung durchgemacht.
Diese Bilder der Initiation könnte man, auf einer Ebene, mit den psychologischen und emotionalen Veränderungen gleichsetzen, die während der Pubertät stattfinden. Aber dasselbe Muster des Wandels, der Penetration, Transformation und Erneuerung kann auch psychologische Ereignisse beschreiben, die sich in anderen kritischen Lebensabschnitten bemerkbar machen. In anderen Worten, die mythische Darstellung ist eine lebhafte Schilderung der Pubertätserfahrung, aber der Übergang der Pubertät ist auch ganz allgemein die Darstellung anderer Lebensphasen, in denen eine Ausrichtung auf ein tieferes oder umfassenderes Bewusstsein erfolgt.
Wenn wir nun die elterliche Ehe und ihre Bedeutung im Geburtshoroskop betrachten, haben wir es mit derselben Art von Bild zu tun, mit einem Archetyp. Die Verbindung der Eltern ist ein Symbol des Ursprungs unseres Lebens, der Ort, wo alles begann. Wer einen Augenblick darüber nachdenkt, wird ziemlich klar erkennen, dass die Eltern zusammen tatsächlich die Welteltern sind, deren Vereinigung in den Mythen den Anfang der Welt darstellt. In frühen griechischen Mythen wurde beispielsweise das Universum durch die geschlechtliche Vereinigung von Uranos, dem Gott des Himmels, und Gaia, der Göttin der Erde, geschaffen. Aus dieser Vereinigung entsteht der manifestierte Kosmos, der von einem psychologischen Gesichtspunkt aus ganz einfach das getrennte Individuum ist, verkörpert in physischer Form. Aus der elterlichen Vereinigung entspringe ich, entspringt meine Welt, mein manifestierter Körper. Diese Vereinigung der Eltern umfasst sowohl eine persönliche, als auch eine universelle Ebene. Der Seinsursprung ist ein vollkommenes Mysterium mit einem numinosen Kern, trotz aller Fortschritte der Wissenschaft auf dem Gebiet der Entwicklung des biologischen Lebens. Über Jahrtausende hinweg formte die Frage: »Woher komme ich?« aus den Tiefen des Unbewussten das Bild der geschlechtlichen Vereinigung der Welteltern.
Dieses Thema wird in verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgeschmückt, und die Schwerpunkte und Einzelheiten können variieren. In den frühen Zivilisationen am Mittelmeer, die in erster Linie landwirtschaftlich tätig waren, war der ursprüngliche Schöpfer, das Eine, weiblich. Man stellte sie sich manchmal als das Meer, die Erde, das Chaos, die Mutter Nacht oder als den großen Abgrund vor. Diese Bilder beschreiben eine weibliche Gottheit, die sich selbst befruchtet, wodurch die Vereinigung der Welteltern im Rahmen des Weiblichen erfasst ist. die Göttin besitzt einen Phallus, damit sie ihren eigenen Schoß befruchten kann. Oder sie vereinigt sich mit einer Schlange, die sie erschaffen hat, was dasselbe ist, nur eben etwas mehr ausgeschmückt. In nordeuropäischen Mythen, die in den Nomadenkulturen entstanden, deren Existenz von Vieh und Pferden abhing und nicht von der Ernte, beginnt eine männliche Gottheit den Prozess der Weltschöpfung, und das weibliche Empfangende ist ihn ihm enthalten. Dasselbe gilt auch für unsere jüdisch-christliche Mythologie, die ursprünglich auch einer Nomadenkultur entsprang. Im Anfang war Gott und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Hier werden die weiblichen Wasser, die der göttliche Geist befruchtete, zuerst von Gott erschaffen und so innerhalb des Männlichen erfasst. Aus dieser Befruchtung entsteht das Werk der Schöpfung.
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