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details
 
  Titel: Systemische Astrologie

Autor:

Christopher A. Weidner

Seiten:

250

Preis:

26,00 EUR


Systemisches Denken hat unsere Vorstellung von der Welt verändert. Im ersten Teil des Buches geht der Autor der Frage nach, wie leicht sich systemisches Gedankengut mit astrologischer Tradition verknüpfen lässt und wie astrologisches Wissen davon profitieren kann. Im zweiten Teil geht es um die Entwicklung einer systemischen Deutungspraxis. Ganz praktisch werden Schritt-für-Schritt-Anleitungen vorgeschlagen, die das Eingebundensein des Menschen in die Welt transparenter machen können. Im letzten Teil dreht sich alles um die systemische Beratungspraxis: Wie verändert der systemische Ansatz unsere Vorstellungen über eine gute Beratung? Welche Methoden begünstigen ein lösungsorientiertes Vorgehen? Wie werden aus Problemen Lösungen? Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einbettung astrosystemischer Aufstellungsarbeit in das Beratungsgeschehen. Mehr als alles andere zielt dieser Ansatz auf die Verbesserung der astrologischen Arbeit mit Menschen ab und möchte die Kompetenz des beratenden Astrologen stärken.
 
 
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Christopher A. Weidner (1967), Studium der Geschichte des Mittelalters, Indogermanistik und nordische Philologie. Examinierter Astrologe TPA. Seit 1994 ist er als Astrologe und freischaffender Autor tätig. 1996 gründete er die Schule „Phoenix Astrologie“. Neben seiner Tätigkeit als Astrologe befasst er sich intensiv mit Feng Shui.

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leseprobe

Was heißt hier systemisch?

„Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“
Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen

„Systemisch“ – was heißt das eigentlich? Nachdem wir uns schon mit den Kerngedanken des Konstruktivismus und seinen Folgen für die astrologische Arbeit bekannt gemacht haben, ist es nun an der Reihe, diesen Begriff zu definieren. Jedoch: Eine klare, eindeutige Definition des Wortes „systemisch“ scheint es nicht zu geben. Wenn ein Arzt von einer „systemischen Erkrankung“ spricht, meint er sehr wahrscheinlich etwas anderes als ein Therapeut, der seine Therapie „systemisch“ nennt, und es ist nicht auszuschließen, dass sich die Bedeutung des Begriffs wieder in eine andere Richtung verändert, wenn wir ihn in Zusammenhang mit Astrologie verwenden. Es ist daher notwendig, sich über den Gebrauch dieses Wortes ein wenig Gedanken zu machen, bevor wir ihn nutzbringend auf die Astrologie beziehen, denn der Gebrauch des Wortes bestimmt seine Bedeutung, wie es Wittgenstein formuliert hat. Wie wollen wir also in diesem Rahmen „systemisch“ verwenden, damit es sinnvoll und nützlich ist?

„Systemisch“ leitet sich von „System“ ab und könnte daher am einfachsten umschrieben werden als etwas, was sich mit Systemen beschäftigt oder im engeren oder weiteren Sinne mit ihnen zu tun hat. Versuchen wir uns also in einer möglichst allgemeingültigen Definition des Begriffes „System“:

Der Begriff selbst stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Zusammenstellung“. Ein deutsches Wort, das diesem Begriff wohl am nächsten kommt, ist „Gebilde“.

Gedankenexperiment: Ein Auto besteht aus vielen verschiedenen Einzelteilen. Angenommen, alle Einzelteile lägen auf einem Haufen in einer völlig willkürlichen Anordnung – könnten wir dies als Auto bezeichnen? Und wenn nicht – was ist der Unterschied zwischen dieser Ansammlung von Einzelteilen und einem Auto, das aus denselben Einzelteilen besteht?

Wenn Sie sich auf dieses Gedankenexperiment eingelassen haben, haben Sie sehr wahrscheinlich ganz von selbst einige der wesentlichen Merkmale eines Systems herausgefunden:

Ein System besteht aus Einzelteilen, die so aufeinander bezogen oder miteinander verbunden sind, dass sie als eine in sich geschlossene und nach außen hin abgrenzbare Einheit wahrgenommen werden.

Systeme sind demnach auf irgendeine Weise sinnvoll zusammengestellte Einzelteile: Durch ihre besondere Anordnung können bestimmte Aufgaben erfüllt und bestimmte Ziele erreicht werden. Aus Einzelteilen wird also dann ein System, wenn sie so miteinander in Wechselwirkung stehen, dass sie eine Struktur bilden, von deren Aufrechterhalten wiederum die Funktionstüchtigkeit des ganzen Systems abhängt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Auto aus unserem Gedankenexperiment: Die Einzelteile eines Autos, auf einen Haufen geworfen, würden wir nicht „Auto“ nennen. Erst wenn Lenkrad, Reifen, Achsen, Stoßstangen, Lampen … richtig angeordnet werden, entsteht eine neue, geschlossene Einheit, das System „Auto“, das uns als Fahrzeug dienen kann.

Halten wir diese drei fundamentalen Aussagen über Systeme im weitesten Sinne fest:
(1) Ein System ist eine komplexe Einheit, die aus verschiedenen Bestandteilen gebildet wird und sich so von der Umwelt abhebt. Das System weist also Grenzen zur Umwelt auf, die Aussagen darüber zulassen, was zum System gehört und was nicht.
(2) Entscheidend für ein System ist die Art und Weise, wie die Einzelteile miteinander verbunden sind. Ein System kennzeichnet sich durch eine Struktur aus Beziehungen zwischen den Bestandteilen.
(3) Ein System besteht also immer aus seinen Bestandteilen und deren Beziehungen.

Aus diesen drei ganz rudimentären Merkmalen lassen sich einige interessante Beobachtungen ableiten, die das Verhalten eines Systems beleuchten.

Beobachtung 1: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Ein System verhält sich anders, als man aus der Beobachtung der Einzelteile schließen könnte – oder wie es gerne heißt: Das Ganze ist mehr als Summe seiner Teile. Dies wird „Emergenz“ genannt.

Beispiel: Dass ein Auto jemanden von A nach B transportieren kann, ist aus dem Verhalten der Kupplung, der Räder, der Karosserie allein nicht ersichtlich. Erst wenn das Auto komplett zur Verfügung steht, sich also alle Einzelteile an dem dafür vorgesehenen Platz befinden, tritt das typische „Verhalten“ eines Autos auf.

Das Besondere an einem System ist, dass wir es nicht studieren können, indem wir es auseinandernehmen, denn ein System verliert seine typischen Eigenschaften, wenn wir es in seine Einzelteile zerlegen. Wir können zwar Erkenntnisse über die Funktionsweise eines Autos gewinnen, indem wir es auseinanderbauen, doch sein Fahrverhalten können wir nur beobachten, wenn es intakt ist.

Beobachtung 2: Kleine Veränderungen – große Wirkungen

Alle Teile eines Systems sind miteinander direkt oder indirekt verbunden. Die Veränderung eines Teiles des Systems hat Folgen für das gesamte System. Dabei können schon kleine Veränderungen große Wirkungen zeigen.

Beispiel: Wenn ich die Zündkerze eines Autos entferne – ein verhältnismäßig kleines Teil –, dann lege ich das gesamte System „Auto“ lahm. Selbst ein Kratzer im Lack kann über kurz oder lang zu drastischen Schäden führen, weil zum Beispiel Rost die Karosserie durchfrisst.

Für uns ist daran besonders interessant, dass Veränderungen in Systemen auch durch sehr kleine Impulse stattfinden können. Diese kleinen Impulse setzen sich im System fort und können einen Domino-Effekt auf das ganze System haben. Dies widerspricht der Vorstellung, dass „auf einen groben Klotz ein grober Keil“ gehört, oder der Idee, dass große Veränderungen eine starke Krafteinwirkung benötigen.

Beobachtung 3: Mit Nebenwirkungen ist zu rechnen

Systeme sind ein Netzwerk aus Beziehungen. Es ist daher typisch, dass sich eine Veränderung an vielen Stellen des Systems manifestieren wird.

Komplexität ist das Schlagwort. Die Beziehungen in einem System können so vielfältig sein, dass es nahezu unmöglich wird, vorauszusagen, an welcher Stelle ein Impuls seine Wirkung entfaltet. Auf den Menschen übertragen, können wir sagen, dass sich Veränderungen, die sich ursprünglich in einem Lebensbereich ergeben haben, Folgen für andere Lebensbereiche haben können. So könnte eine neue Partnerschaft Konsequenzen im Beruf haben, weil auf einmal mehr Zeit für den Partner aufgewendet wird und dadurch der Enthusiasmus für den Job nachlässt. Oder die schlechte Stimmung am Arbeitsplatz wird auf die Familie zu Hause übertragen und führt dort zu Streit. Oder der berufliche Erfolg verbessert die Ausstrahlung eines Menschen so sehr, dass er auf einmal seine Schwierigkeiten im Aufbau von Beziehungen lösen kann. Veränderungen bringen stets das ganze System „in Schwingung“, und es ist nur sehr begrenzt möglich, zu kontrollieren, wie sich diese Veränderungen auswirken werden.

Beobachtung 4: Wirkungen sind keine Einbahnstraßen

Weil alle Teile eines Systems miteinander verbunden sind, beziehen sie sich wechselseitig aufeinander. Es kommt zu Rückkopplungen und Feedback-Schleifen. Damit ist gemeint, dass Veränderungen sich nicht nur in eine Richtung fortpflanzen (Wirkung folgt Ursache), sondern dass die Wirkungen einer Veränderung auch auf die Ursache der Veränderung zurückwirken.


Beispiel: Wenn wir mit einer bestimmten Geschwindigkeit Auto fahren wollen, dann steuern wir dies über das Gaspedal. Je mehr Gas wir geben, umso schneller werden wir. Wir verlieren an Geschwindigkeit, wenn wir das Gaspedal loslassen. Wenn wir beispielsweise in einer geschlossenen Ortschaft mit genau 50 km/h unterwegs sein wollen, dann müssen wir immer wieder etwas Gas geben, um die Geschwindigkeit konstant zu halten, sobald wir den gewünschten Punkt überschritten haben, müssen wir das Gas zurücknehmen, bis wir den Punkt unterschreiten, dann müssen wir wieder Gas geben usw. Man kann an diesem Beispiel gut sehen, dass nur das Wechselspiel zwischen den beiden Polen „Gas geben“ und „Gas zurücknehmen“ eine gleich bleibende Geschwindigkeit garantiert: Stabilität ist hier das Ergebnis eines ständigen Feedbacks des einen auf das andere.
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