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Titel:
Tertiärprogressionen
Autor:
Klaus Wessel
Seiten:
128
Preis:
13,90 EUR
Bei den Tertiärprogressionen handelt es sich um eine aussagekräftige astrologische Prognosemethode, die bislang jedoch nur wenig angewendet wird. Dabei nimmt man den Mondumlauf nach der Geburt als Grundlage. Dieser wird zeitlich vergrössert, um Rückschlüsse auf den ganzen Monat oder auf ein Lebensjahr zu ziehen.
Der Autor erläutert die Technik und die Berechnung. Anhand zahlreicher Beispiele stellt er die Tertiärprogressionen vor und vergleicht deren Ergebnisse mit den anderen Prognosemethoden. Schließlich stellt der Verfasser einen neuen Ansatz vor. Die Wiederkehr des Mondes und die Tertiärprogressionen spiegeln rhythmisch die Struktur der Häuser des Geburtshoroskops.
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Erläuterung der Technik: Begründung und Berechnung
Gleich vorweg sei gesagt, dass wir die Tertiärprogressionen nicht gegen andere astrologische Techniken ausspielen wollen. Manchem Leser wird dies vermutlich nur recht sein, denn allzu oft wird ihm gegenüber beteuert worden sein, diese und nicht jene Direktion oder Progression sei die richtige, die Erfahrung habe unzweideutig bewiesen, dass genau diese unbestreitbar die besten Resultate liefere. Der Leser möge sich selbst überzeugen, er brauche doch nur selbst unvoreingenommen zu prüfen, um dann zweifelsfrei feststellen zu können, dass keine Methode es an Genauigkeit und Zuverlässigkeit eben mit dieser aufnehmen könne... Grundsätzlich lässt sich jede Bewegung, die sich auf die Ekliptik beziehen lässt, in eine Deutung überführen, und folglich ist die Zahl der Progressionen und Direktionen so groß. Diese Fülle bringt zwangsläufig eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich. Hilfreicher ist es aber zweifellos, in dieser Fülle des Materials zunächst einen Beleg für den Reichtum der astrologischen Deutungsmöglichkeiten zu sehen.
Warum trotz dieser Vielfalt diese Untersuchung über Tertiärprogressionen? Dass es sich um eine vergleichsweise einfach zu berechnende Technik handelt, reicht als Begründung in Zeiten reich bestückter Astrologierechenprogramme nicht aus. Diese erlauben heutzutage oft selbst die Berechnung der ungleich diffizileren Primärdirektionen. Die Antwort ist zunächst einmal denkbar prosaisch: Obwohl es sich um eine Progression handelt, die auf dem elementaren Rhythmus des (tropischen) Mondlaufs beruht, hat sie kaum je die ihr zukommende Beachtung gefunden. In den astrologischen Standardwerken wird sie mitunter pflichtschuldig erwähnt, beim Wort genommen wird sie so gut wie nie.
Direktionen und Progressionen werden nicht erfunden, sie werden entdeckt. Es muss offen bleiben, wer die Tertiärprogressionen fand. Da sie relativ einfach sind, ist es gut möglich, dass sie mehrfach neu entdeckt wurden. (Nicht jeder Entdeckung wird Publizität zuteil.) Unabhängig von der tatsächlichen Urheberschaft muss hier der Name des Berliner Astrologen E.H.Troinski hervorgehoben werden. Dieser betonte den Wert der von ihm so genannten Tertiärdirektionen bereits vor einem halben Jahrhundert.Er hat die Methode in mehreren Publikationen dargestellt, am ausführlichsten in dem Band TERTIÄRDIREKTIONEN II. Seine Bücher haben durchweg einen starken zeitgeschichtlichen Bezug und sind - wenn überhaupt - nur antiquarisch zu bekommen.
Wie den Sekundärprogressionen liegt auch den Tertiärprogressionen der Gedanke der zeitlichen Vergrößerung zugrunde. Bei den Sekundärprogressionen lautet der Schlüssel "ein Tag = ein Jahr". Von diesen ist es, so Troinski, ein beinahe logischer Schritt zu den Tertiärprogressionen. Bei den Sekundärprogressionen wird die Achsendrehung der Erde einem Umlauf der Erde um die Sonne gleichgesetzt.
Bei den Tertiärprogressionen I wird eine Achsendrehung der Erde einem Umlauf des Mondes um die Erde gleichgesetzt (tropischer Monat). Der Mond aber ist gewissermaßen der große Zeiger der Uhr, er aktualisiert das thematische Material, das, um im Bild zu bleiben, im Potential des kleinen Zeigers gebunden ist.
Die Dauer eines tropischen Monates beträgt 27,32158 Tage. Wir haben den Unterschied zwischen dem synodischen und dem tropischen Monat zu beachten. Die Dauer des tropischen Mondlaufs ist bestimmt durch die Wiederkehr des Mondes auf einen beliebigen Punkt der Ekliptik, während der synodische Monat die Erdbewegung mit ein bezieht und einem vollen Mondzyklus entspricht (daher auch Lunation genannt).
Um Verwechslungen vorzubeugen, stellen wir an dieser Stelle klar, dass die Tertiärprogressionen nicht mit den
progressiven Mondphasenhoroskopen
verwechselt werden dürfen. Diese stellen gewissermaßen einen Sonderfall der Sekundärprogressionen dar und übersetzen die Horoskope der nachgeburtlichen Mondphasen (Neu-, Voll- und Halbmonde) entsprechend der Gleichung ein Tag = ein Jahr in die entsprechenden Lebensjahre des Nativen.
(...) Beide Tertiärprogressionen, die TP I und die TP II, stellen zeitliche Vergrößerungen dar. Die TP I übersetzen den Tag in den tropischen Monat, die TP II den tropischen Monat in das solare Jahr. Da wir es mit Progressionen, nicht mit Direktionen zu tun haben, erhalten wir eigenständige Horoskope, also keine Horoskope, die durch die Anwendung eines Bogenschlüssels modifiziert werden. Dies ist bei der Deutung der nachfolgenden Beispielshoroskope von ausschlaggebender Bedeutung.
Es gilt mit Blick auf die Deutung festzuhalten, dass der TP I als Konstanten Radixgeburtszeit und Geburtsort zugrundeliegen. Dies bedeutet, dass sich die Sonne schrittweise im Tierkreis bewegt, sich jedoch nicht mehr als 2-3 Häuser vom Radixort fortbewegt. Beispielsweise entspricht eine Uhrzeit von 18 Uhr Anfang Februar in unseren Breitengraden einem Sonnenstand im sechsten Haus, während die gleiche Uhrzeit im Juni eine Sonne im achten Haus erbringt.
Im Falle der TP II ist der Mondstand stationär, bezogen auf den Tierkreis - analog dem Solar, bei dem der Sonnenstand die konstante Größe darstellt. Diese Konstante geht in die TP II jeweils mit ein, ist also nicht jeweils neu in der Deutung zu aktualisieren. Um so bedeutsamer aber ist die wechselnde Häuserstellung des Mondes in den einzelnen TP II.
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rezensionen
Rüdiger Plantiko in Meridian 5/2003:
Tag, Monat und Jahr sind die drei grundlegenden Zeitmaße, die uns durch den Umlauf der "Lichter" Sonne und Mond gegeben sind. Die Verhältnisse dieser Zeitmaße zueinander ergeben wirksame Proportionen der sich entfaltenden Zeit, von denen das Verhältnis Tag : Jahr sicher das wichtigste ist, da es die beiden Sonnenbewegungen in Beziehung setzt. Die auf dieser Proportion gründende Prognoseform des progressiven Horoskops bzw. der Sekundärdirektionen wird seit den Zeiten von Placidus de Titis in der Astrologie verwendet und beachtet. Aus den beiden anderen Proportionen (Sonnen-)-Tag : (tropischer) Monat oder 1 : 27.322 und (tropischer) Monat : (tropisches) Jahr oder 27.322 : 365.2424 leiten sich jedoch zwei weitere Prognosemethoden ab, die der Berliner Astrologen E. H. Troinski in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts entdeckte (vielleicht nur für die Neuzeit wiederentdeckte?) und mit den Namen Tertiär I und Tertiär II belegte. Wie das progressive Horoskop, so sind auch die Tertiäre aus der zeitlichen Entwicklung der Radix abgeleitete Horoskope, die einen symbolischen Bezug zu den Monaten (Tertiär I) bzw. Jahren (Tertiär II) im Leben des Nativen haben.
Leider gesellte sich zum Segen dieser Entdeckung der Fluch, daß ihr Entdecker Troinski mit besonderer Leidenschaft künftige Welt- und Menschheitskatastrophen vorhersagte. In seinen Publikationen (1) wurde man unaufhörlich in gesperrter und fettgedruckter Schrift auf herannahende Welten-Umstürze, Blutvergiessen, Todesopfer, Terror und Unglücke aller Art hingewiesen. Daß seine Untergangs- und Weltkriegsprognosen glücklicherweise nicht eintrafen, gereichte dem Instrument, mit dem diese erstellt wurden, eben den Tertiärprogressionen, sehr zum Schaden, und diese gerade erst entdeckte Prognosetechnik drohte sogleich wieder in Vergessenheit zu geraten.
Da ist es ein besonderes Verdienst Klaus Wessels, dass mit seinem Buch Tertiärprogressionen das Thema nun endlich in der ihm gebührenden seriösen und fachmännischen Weise behandelt wird. Nach einer kurzen Einführung in die Hintergründe und in die Berechnung der Tertiärhoroskope wendet sich Wessel einer Reihe von überzeugenden Beispielen zu, die die Bedeutsamkeit dieser Hilfshoroskope erkennen lassen. Die Horoskopdeutungen zeigen den erfahrenen Praktiker, wobei er methodisch besonders von der Lehre der Häuserherrscher Gebrauch macht, zur Verfeinerung der Deutung aber auch die kritischen Grade (2) , die Spiegelpunkte und die Sabischen Symbole (3) heranzieht. Anhand von Beispielen vergleicht Wessel die Tertiäre auch mit den anderen gängigen Hilfshoroskopen (Solar, Lunar, progressives Horoskop), die er nicht in Konkurrenz zu den Tertiären sieht, sondern als weitere Ergänzungen mit je eigenen Aussagerichtungen. Aus seiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema ergab sich dem Autor noch eine andere wirksame Umsetzung des Analogiegedankens, die er ebenfalls in diesem Buch vorstellt.
Wie die zwölf Mondumläufe im Jahr ganz allgemein Anlaß zur Zwölfteilung der Ekliptik (4), zur Bildung der Tierkreiszeichen geben, so können die Tertiärhoroskope des ersten Lebensjahres (die zugleich gemäß Konstruktion die Tageshoroskope der Lunarrevolutionen sind), mit den Häusern in Beziehung gesetzt werden, so daß also die Radix selbst dem ersten Haus, die erste Mondwiederkehr dem zweiten Haus entspricht usf. Diese vom Autor sogenannten Tertiare können als eigenständige Horoskope gedeutet werden und erhellen die besonderen Umstände, die dem betreffenden Haus im Leben des Nativen zugeordnet sind. Die Beispiele, mit denen Wessel diese Tertiare erläutert - zum Beispiel das 7. Tertiar von Lady Diana Spencer oder, ganz aktuell, das 10. Tertiar von George W. Bush, sind ein überzeugender Anreiz, diese neue Technik an weiteren Fällen zu studieren und zu erhärten. Dieses sehr empfehlenswerte Buch sei insbesondere all jenen ans Herz gelegt, die sich auf dem Gebiet der astrologischen Prognose weiter vertiefen wollen.
Anmerkungen
(1) im Berliner Auskunftsbogen (damalige Anlage zum bekannten Astrologischen Auskunftsbogen des Baumgartner-Verlags), aber auch in seinen Büchern Tertiärdirektionen enthüllen das Weltgeschehen, 1001 weltpolitische Horoskope und Weltschicksalsjahr 1959, alle Warpke/Billerbeck o.J.
(2) Michael Roscher, Kritische Grade im Radix, Nürnberg 1994
(3) M. E. Jones, The Sabian symbols in astrology, New York 1953; D. Rudhyar, Astrologischer Tierkreis und Bewußtsein, München 1984
(4)wobei allerdings die genäherte Proportion, die die physischen Himmelslichter bilden, durch die exakte Zwölfteilung zu ersetzen ist, die allein den geometrisch-harmonikalen Gesetzen entspricht.
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