Schicksal und Astrologie

Die Familie im Spiegel des Horoskops
Art.-Nr.: 4638

Liz Greene

Produktform:  Hardcover, 23 Abbildungen
Seitenzahl:  423
ISBN:  978-3-89997-148-4
EAN:  9783899971484
Menge:

Produktdetails

Besteht ein erkennbarer Zusammenhang zwischen Horoskopen von Familienmitgliedern über mehrere Generationen hinweg? Liz Greene geht dieser Frage anhand von Fallbeispielen nach. Ebenso analysiert sie Lebensläufe und Horoskope von Menschen, die vom Schicksal stark gezeichnet zu sein scheinen. In Verbindung hiermit untersucht die Autorin, was Schicksal eigentlich bedeutet. Haben wir einen freien Willen oder sind es die Götter oder die Erbanlagen, die uns bestimmen? Novalis sagte, Schicksal und Seele seien zwei Namen für das gleiche Prinzip. Mit diesem Buch können Sie einen Zugang zu Ihren eigenen Schicksalskräften finden.

Autorenporträt

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 Liz Greene Liz Greene (1947) ist promovierte Psychologin und Jungsche Analytikerin. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Astrologin und gibt Seminare in ganz Europa. Beim Astrodienst Zürich wirkte sie an der Entwicklung von vier Textanalysen mit. In London gründete sie das "Center for Psychological Astrology", das sie leitet. Neben zahlreichen Fachartikeln hat sie 22 Bücher geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Ihre bekanntesten Titel sind Sage mir Dein Sternzeichen und ich sage Dir, wie du liebst (1980), Saturn (1981), Jenseits von Saturn (1984), Neptun - die Sehnsucht nach Erlösung (1996), Abwehr und Abgrenzung (1998) und Uranus im Horoskop (1999).

Leseprobe

Schicksal und Seele sind eins

Die Astrologie, gemeinsam mit dem Tarot, der Handlesekunst, dem Wahrsagen und vielleicht auch dem I Ging, das im Westen inzwischen weit verbreitet ist, sind die modernen Träger des altehrwürdigen Sehertums. Seit undenklichen Zeiten gibt es diese Kunst, die verborgenen und undurchschaubaren Ratschlüsse der Götter zu deuten, obwohl wir sie heute die undurchschaubaren und verborgenen Ratschlüsse des Unbewussten nennen können. Sie richtet sich auf die Erkenntnis des kairos, des «richtigen Augenblicks». Jung gebrauchte den Ausdruck «Synchronizität» in Verbindung mit diesen Dingen und wollte damit Licht auf das Geheimnis der bedeutungsvollen Koinzidenz werfen – ob es sich nun um das Zusammentreffen zweier offensichtlich unzusammenhängender Ereignisse mit einem Traum oder einem inneren Zustand handelt oder um ein Ereignis, das mit einer Konstellation von Karten, Planeten oder Münzen in Einklang steht. Welche Sprache wir auch benutzen, ob es die psychologische oder die mythische, die religiöse oder die «wissenschaftliche» ist, der Wahrsagerei liegt der Wunsch zugrunde, zu erfahren, wie der Schicksalsspruch lautet, ob wir dieses Geheimnis nun mit dem psychologischen Begriff der Synchronizität oder mit dem viel älteren Glauben an das Schicksal erklären. Für den nicht initiierten Laien, der von diesen Dingen in ihrer unglaublichen Vielfältigkeit keine Ahnung hat, ist die Begegnung mit moira beschränkt auf die Vorhersagen der Sonnenzeichen-Astrologie-Spalten und einen gelegentlichen Besuch bei jener seltsamen Dame in X., die mit siebzehn Katzen lebt und die Operation meiner Mutter genau vorausgesagt hat. In dieser Form drücken sich die typischen konkreten Schicksalsinterpretationen des westlichen Menschen in all ihrer schizoiden Herrlichkeit aus. Entweder sind wir fest davon überzeugt, dass die nächste Woche uns einen unverhofften Glücksfall, den neuen Geliebten, die schlechte Nachricht per Post oder die Beförderung bringt, oder wir spotten – manchmal zur gleichen Zeit – über einen Freund, der so dumm, unwissend und naiv ist, dass er oder sie wirklich daran glaubt, durch die Beschäftigung mit solchem Humbug Hilfe zu finden.

Die Erkenntnis des Novalis, dass Schicksal und Seele zwei Namen für das gleiche Prinzip sind, ist natürlich angesichts solcher Vereinfachungen unbegreiflich. Der Astrologe jedoch, der es besser wissen müsste, macht vielleicht weiter seine konkreten Voraussagen, und das nicht nur über den neuen Geliebten und die schlechte Nachricht per Post: Tierkreiszeichen und Planetenaspekte beziehen sich auf das Verhalten, und zwar nur auf dieser wortwörtlichen Ebene, wobei man keinen Gedanken an die innerste Seele verschwendet, von der Novalis spricht.

Es geht mir nicht darum, den Laien von Hellseherei oder vom Wirken des Schicksals zu überzeugen. Die Art, in der der praktizierende Astrologe mit diesen Dingen umgeht, liegt mir am Herzen. Ich bin weder mit der Trend-Theorie noch mit der neoplatonischen Anschauung, «das Schicksal beeinflusst den Körper, aber nicht die Seele», einverstanden. Meiner Ansicht nach übergeht erstere Ansicht das Problem der geheimnisvollen und bedeutsamen Ereignisse, die die individuelle Entwicklung vorantreiben, und letztere das Problem der individuellen Verantwortung. Meinen Beobachtungen bei meinen Analysanden und meinen astrologischen Klienten nach gibt es ganz gewiss etwas, ob man es nun Schicksal, Vorsehung, Naturgesetz, Karma oder das Unbewusste nennt, das sich rächt, wenn seine Grenzen überschritten werden oder wenn es in Beziehungen nicht respektiert oder einbezogen wird. Dieses Etwas scheint eine Art «absoluten Wissens» zu besitzen, nicht nur darüber, was das Individuum braucht, sondern was es brauchen wird, um sich entwickeln zu können. Es scheint die seltsamsten und erstaunlichsten Verknüpfungen zu schaffen, indem es einen Menschen zum Beispiel genau im richtigen Moment mit einem anderen Menschen oder einer äußeren Situation konfrontiert, und es scheint ebenso dem inneren wie dem äußeren Menschen anzugehören. Es ist sowohl psychisch als auch physisch, persönlich und kollektiv, «höher» und «niedriger». Es kann die Maske des Mephistopheles tragen oder als Gott auftreten. Ich gebe nicht vor zu wissen, was «es» ist, aber ich bin bereit, es ungeniert Schicksal zu nennen. Wenn wir es besser verstünden, könnten wir unseren Patienten viel mehr helfen, ganz zu schweigen von uns selbst.

Das Ziel dieses Buches ist, wie die griechischen Schicksalsgöttinnen selbst, dreifältig. Zunächst geht es mir darum, der Schicksalsfrage genauer nachzugehen. Ich habe keine Antworten parat auf die fundamentale Frage, ob wir nun schicksalsgebunden oder frei sind; wenn ich vor eine solch unlösbare Frage gestellt bin, dann neige ich dazu, ein wenig hilflos: «beides» zu sagen. Ich weiß nicht, was das Schicksal in einem genau definierten metaphysischen oder theologischen Sinn ist; Philosophie und Religion beschäftigen sich mit diesem Problem auf einer viel gelehrteren Ebene, als ich das kann. Wenn Apuläus von Madaura mit Gewissheit vom doppelten Schicksal spricht – dem Schicksal als Energie und dem Schicksal als Substanz – oder wenn Chrysippos annimmt, dass sogar unsere Gedanken schicksalsgegeben sind, so fällt es mir schwer, dem etwas entgegenzusetzen. Im Laufe der Jahrhunderte hat man auf vielerlei Weise versucht, das Schicksal zu definieren, und die Schlüsse, zu denen man gekommen ist, unterscheiden sich zuweilen sehr voneinander. Ich weiß nicht mit Gewissheit, ob es möglich ist, das Schicksal zu ändern oder ob das Schicksal sich selbst ändert oder was «ändern» überhaupt bedeutet, obwohl ich mich mit der Frage beschäftigt habe, was «es» ist, das während eines Prozesses wie der Psychotherapie «Wandlungen» bewirkt. Ich weiß auch nicht, ob manche Menschen mehr schicksalsgebunden sind als andere, obwohl man das, von außen betrachtet, leicht annehmen könnte. Manchmal jedoch ist es eher das Stellen einer Frage, das Türen öffnet, als die hartnäckige Suche nach einer unzweideutigen Antwort.

Fragen, die sich mit so unergründlichen Dingen wie der menschlichen Freiheit oder ihrem Fehlen beschäftigen, haben jedoch, wenn man sie ernst nimmt, die Tendenz, im Fragenden eine recht unangenehme Ambivalenz hervorzurufen. Es scheint so, als sei es sicherer, nicht zu fragen, sondern das Problem zu ignorieren oder sich darüber zu erheben; hat man einmal gefragt, so hat man durch das Formulieren der Frage die schützende Hülle von dem tiefen und geheimnisvollen menschlichen Dilemma, einer Quelle des Leidens, genommen. Ist man sich dieses Dilemmas einmal bewusst und findet nicht sofort eine Antwort, so fühlt man sich zerrissen und in der Schwebe zwischen den Gegensätzen, wie jemand, der an einem Kreuz hängt. Dieses Problem lässt sich mit einer enttäuschend einfachen Frage auf menschliche Maßstäbe bringen: Wenn man von starken Impulsen oder Wünschen, die aus der Psyche aufbrechen, heimgesucht wird – soll man sie dann ausleben, weil sie schicksalgegeben sind, oder soll man versuchen, sie zu unterdrücken oder unter Kontrolle zu halten? Gibt es vielleicht eine dritte Möglichkeit, die die unvermeidliche Erfahrung ermöglicht, den ganzen Menschen aber doch moralisch auf die Probe stellt? Das ist keine einfache Frage, wie jeder Psychotherapeut weiß, denn manchmal kann der Einzelne sich selbst nicht helfen und manchmal kann er es; manchmal soll er sich gar nicht selbst helfen und manchmal muss er es. Dieses Dilemma durchzieht auch die Geschichte vom Verrat und von der Kreuzigung Christi. Solch eine Spannung zwischen den Gegensätzen mag vertiefen und bereichern, sie kann aber auch lähmen. Vertiefung und Hin-und-her-gerissen-Sein ist nicht jedermanns Sache; sonst würden wir uns wohl auf kollektiver Ebene nicht so vor der Frage drücken. Diese Zerrissenheit raubt uns jede Sicherheit, ob auf der Seite der Moral oder der Unmoral, des Schicksals oder der Freiheit. Und wie viele von uns würden es wagen, wie Sokrates zu akzeptieren, dass die Wurzel allen Wissens in der Erkenntnis liegt, dass wir nichts wissen?

Die zweite Absicht dieses Buches ist ein Versuch, die Abwehr, ja sogar Wut zu verstehen, die das Thema Schicksal besonders bei meinen astrologischen Studenten und Kollegen und bei meinen Analytiker-Kollegen hervorruft. Es gibt keinen modernen Beruf, der einen Menschen der Schicksalserfahrung näherbringt, als den des Astrologen, außer vielleicht den des Therapeuten. Der Streit zwischen Lebensplan und Trend ist für einen Menschen wichtig, dessen Leben noch nicht tief greifend mit dem Schicksal in Berührung gekommen ist: der physisch oder psychisch gesunde Mensch, der vor einer Entscheidung steht, der eine Berufsberatung wünscht, der unsicher über seinen weiteren Lebensweg ist oder mehr über sich selbst lernen will. Das sind jedoch nicht die einzigen Klienten, die um astrologischen Rat bitten. Wären sie es, so wäre unsere Arbeit immer angenehm und würde uns nie wirklich herausfordern. Es gibt jedoch Menschen, die von einem inneren daimon oder Drang gequält werden, die vergeblich gegen das kämpfen, was sie als ihren eigenen Schatten erfahren; die durch nicht frei gewählte Kindheitserlebnisse bis zur Unkenntlichkeit deformiert sind, die durch eine numinose oder gar überpersönliche Erfahrung erschüttert wurden und nun etwas ihnen sehr Liebes opfern müssen; die physisch verstümmelt sind durch Unfall, Krankheit oder Erbe; die ungerechte Verluste oder unverdiente Trennungen erlitten oder kollektive Schrecknisse erlebt haben, wie den Krieg in Deutschland, die Nachkriegszeit in der Tschechoslowakei oder in Nordirland; die vergewaltigt, ausgeraubt, geplündert oder missbraucht wurden; die verrückt waren oder werden, weil ihre verrückten Familien sie als Symptomträger und Sündenböcke ausgewählt haben. Ferner sind auch begabte Menschen nicht frei von Leiden, denn die Gabe von Talenten und Erkenntnissen oder selbst dessen, was wir «Glück» nennen, prägt einen Menschen ebenso sicher wie irgendeine Deformation und treibt ihn aus der Gemeinschaft in eine geistige Isolation, die ebenfalls irgendeine Antwort fordert. Angesichts dieser Aufzählung offensichtlich unverdienter menschlicher Leiden kann ich keine gängigen Phrasen von mir geben. Während eines Workshops sagte mir einmal eine Frau mit selbstgewisser Stimme, dass Menschen nie mehr auferlegt wird, als sie tragen können. Ein kurzer Besuch in einem Krankenhaus oder in einer psychiatrischen Klinik jedoch scheint eine solche Aussage ad absurdum zu führen. Ich kann nicht so leichthin über karma sprechen, wie das viele Astrologen tun, und damit implizieren, dass ein Problem etwas mit den früheren Inkarnationen des betreffenden Menschen zu tun hat, dass er sich also keine Sorgen machen müsse, dass er die Augen schließen und die Däumchen drehen könne; ich kann ebenso wenig annehmen, dass der Einzelne diese Dinge aus seinen gewissen «Anlagen» heraus so «gemacht» hat, weil er persönlich dümmer oder schuldiger als die meisten anderen ist. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, was «es» ist, und da ich es nicht weiß, möchte ich versuchen, mehr davon zu verstehen, was dieses «es» sein mag. Wie bei vielen Menschen löst die Begegnung mit großem Leiden bei mir die Frage nach dem Sinn aus. Für mich jedoch führen die Wege der menschlichen Perversität und der Katastrophen nicht zwangsläufig in die tröstenden, väterlichen Arme eines gütigen jüdisch-christlichen Gottes, den wir nicht in Frage stellen dürfen; ebenso wenig führen sie zur Anklage gegen die Gesellschaft als der Quelle allen Übels.

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