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Chiron im Horoskop

Die Brücke zum Selbst
Art.-Nr.: 241

Eva Stangenberg

Produktform:  Hardcover, 18 Abbildungen
Seitenzahl:  198
Erscheinungsjahr:  2015
Erscheinungsjahr:  2015
ISBN:  978-3-89997-241-2
EAN:  9783899972412
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Produktdetails

Chiron hat die Aufgabe, eine Brücke zwischen den Gegensätzen zu bauen. Er will die Spaltung zwischen der geistigen Idee und der Verkörperung auf der Erde aufheben und zu einer Einheit verbinden. Ausgehend von den Bedingungen am Himmel und dem Mythos, schildert die Autorin, wie Chiron diese schwere Aufgabe meistert. Sie deutet Chiron ausführlich in den Häusern und zeigt Ihnen wie Sie innere Heilung im Sinne von Chiron erreichen können.

Autorenporträt

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 Eva Stangenberg Eva Stangenberg (1950). Pädagogische Ausbildung in den Fächern Kunst und Mathematik. Geprüfte Astrologin (DAV). Neben ihrer astrologischen Beratungspraxis gibt sie Unterricht in den DAV Ausbildungszentren in Karlsruhe, Rottenburg a.N. und München. Gründerin der Astrodrama Gruppe Theastro, die Horoskopthemen in Szene setzt.

Leseprobe

3.9. Zweiter Heilungsschritt: Reinigung der Wunde = Saturn

Hier soll nochmals das Bild der Wunde, der offenen Stelle in der schützenden Haut, mit all dem „Dreck“, der im Laufe der Zeit hinein geraten ist, aufgegriffen werden. Auch wenn es keine angenehme Vorstellung ist, möchte ich Sie bitten, sich diese Wunde ganz konkret vorzustellen. Vielleicht an Ihrem linken Unterarm?

Sie haben sich bisher bemüht, sie vor anderen aus Scham über diesen verunstalteten Arm zu verbergen, und inzwischen hat sich auch Schorf auf der Wunde gebildet. Aber darunter eitert es und es ist sehr schmerzhaft, wenn jemand diese Stelle berührt – aus Versehen, denn er weiß ja nichts von der Wunde.

Nach einer sehr starken Verletzung (der Pfeil des Herakles) können Sie sie nun nicht mehr verbergen und haben sie im ersten Heilungsschritt angenommen. Um im Bild zu bleiben, könnten wir uns vorstellen, dass der Schorf schmerzhaft weggerissen wurde und Sie sehen nun den vielen „Dreck“, der zu den Entzündungen geführt hat. So eine Wunde muss gereinigt werden. Und das ist der zweite Schritt zur Heilung, den ich mit dem Planeten Saturn verbinde. Jedes „Steinchen“ dieses „Drecks“ entspricht einer Erfahrung und indem wir dies aus der Wunde holen, machen wir uns diese Erfahrungen bewusst. „Ja“, könnten Sie sich sagen, „das hat damals sehr wehgetan, als …..“. Je mehr „Steinchen“ Sie aus der Wunde holen, desto mehr wird sie gereinigt, und im gleichen Maße wächst auch der „Steine-Berg“ der Erfahrungen.

Dieser zweite Schritt zur Heilung bedeutet auch eine Beschäftigung mit der Wunde, aber auf eine andere Art und Weise als die Ursachensuche am Anfang. Die Suche nach Ursachen beinhaltet nämlich auch eine Suche nach Schuldigen, wobei wir selbst das Opfer von bestimmten Umständen sind und das „Böse“ auf die jeweiligen Täter, die uns so verletzt haben, projizieren können. Wenn wir bei dieser Einstellung und dieser Rolle verbleiben, können wir nichts ändern, denn ein Opfer in diesem Sinne ist hilflos und ohnmächtig ausgeliefert und zur Passivität verdammt. In den Beispielen habe ich aber zugleich auch das aktive Verhalten der Betroffenen geschildert: Scham in Bezug auf das eigene und andersartige Verhalten oder Sein, Flucht vor dem Thema und Verbergen der empfindsamen Stelle, kritisieren oder missionieren der anderen, vielleicht auch Selbstmitleid usw. Es geht allerdings nicht darum, jetzt zu sagen: „Dann bin ich eben selber schuld, denn ich habe die Verletzungen provoziert und verdiene es nicht anders!“. Dabei würden wir die Schuld nur von außen nach innen verlagern und in Selbstmitleid stecken bleiben können.

Jedes Erfahrungssteinchen beinhaltet beides: die Außen- und die Innenwelt, sowohl das eigene Verhalten, als auch das der anderen. Dabei kann einem gerade bei der Beschäftigung mit dem Chiron-Thema der Unterschied klar werden zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Und es geht nicht um Schuld, sondern um die Erkenntnis „wir sind alle Menschen und damit unvollkommen“. Das beinhaltet das Annehmen, nämlich das Verzeihen sowohl den anderen als auch sich selbst gegenüber als Voraussetzung, und das, was immer auch geschehen ist, als einen Teil des eigenen Lebens unwiderruflich als zu sich gehörend anzusehen und nicht mehr dagegen anzukämpfen.

Im ganzen Chiron-Mythos ist nie von Schuld die Rede, sondern es geht um die Erkenntnis, dass die eigene Unvollkommenheit mit den Leiderfahrungen, bedingt durch den saturnischen Vergleich, einen Sinn und Zweck, ja sogar einen Nutzen haben.

Der eine Effekt bei der Reinigung der Wunde ist die Erinnerung an die persönlichen Erfahrungen mit den Verletzungen und den zugefügten Schmerzen, die uns für das Thema sehr sensibilisieren und empathisch machen und für Menschen von Wert sind, die ein ähnliches Thema haben. Zum anderen ergibt sich durch diese saturnische Arbeit auch eine tiefe Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, wenn man sich selber als Beteiligter in den Geschehnissen sehen kann. Wie sehr hat man sich z.B. selber moralischen Urteilen gebeugt oder den Zeigefinger erhoben gegen andere? Wie hat man sich Wertungen unterworfen und selber gewertet? Wie hat man eigene Schwächen verborgen oder geleugnet, sie aber bei anderen an den Pranger gestellt, um selber besser da zu stehen? Die Scham, die bei diesen Erkenntnissen einsetzen kann, soll nun aber nicht dazu führen, wieder dagegen anzukämpfen, sondern zu der Einsicht führen, dass man eben auch nicht vollkommen ist. All diese Erfahrungen sind von Wert, machen sie uns doch menschlicher und toleranter uns selbst und anderen gegenüber.

Am Anfang des Mythos‘ hat sich Chiron mit den anderen verglichen und dabei durch seinen tierischen, unvollkommenen Unterkörper schlechter abgeschnitten. Das war eine saturnische Bewertung. So lange wir leben werden wir uns vergleichen und unsere unvollkommenen, weil menschlichen Anteile unterliegen einer Bewertung. An diesem Punkt, dem zweiten Schritt zur Heilung, geht es um eine Umkehr der Bewertung, nämlich die eigene Andersartigkeit im Unterschied zu den anderen als etwas Besonderes, Einmaliges und Nützliches zu sehen. Wir können immer noch auf die anderen schauen und dazu lernen, uns fragen, wie diese es denn machen. Aber dann gilt es, den Blick zurück auf uns selber zu werfen, mit der Frage: „Wie würde ich es im Unterschied dazu machen?“ Der Wert wird jetzt also auf die Andersartigkeit gelegt und nicht mehr auf die Norm.

Aus der Empfindlichkeit zu Anfang in Bezug auf die Chiron-Wunde kann sich nun die wertvolle Gabe der Empfindsamkeit und der Empathie entwickeln. Dadurch, und mit der Kompetenz der gelebten Erfahrung, kann bewusst werden, dass genau diese Andersartigkeit eine besondere Qualität bedeutet in Bezug auf das Chiron-Thema.

Bei unserem Beispiel mit Chiron im ersten Haus könnte es vielleicht so sein, dass der Betreffende spürt, wenn Aggression im Raum ist oder dass er sensibel mitempfindet, wenn jemand seine eigene Wut oder seinen Durchsetzungswillen – wie er selbst früher einmal – unter Kontrolle hält und es nicht wagt, zu agieren, sondern sich stattdessen anpasst. Oder er kann nachempfinden, was möglicherweise hinter einem überzogenen aggressiven Verhalten oder einem Wutausbruch steckt. Jetzt würde unsere Beispiel-Person nicht mehr missionieren oder kritisieren, sondern wäre empathisch für das Problem des anderen.
Hier würde der Betreffende spüren, wenn sich jemand in seinen Qualitäten nicht wert schätzt, ja sie vielleicht nicht einmal kennt oder sich bei seinen Leistungen immer unter Wert verkauft. Oder er könnte bei jemandem, der mit seinem Besitz und seinen Fähigkeiten protzen muss, das Problem dahinter nachempfinden. Möglicherweise wäre er in der Lage, seismographisch erotische Schwingungen zwischen zwei Menschen wahrzunehmen. Oder er könnte ein Gefühl dafür haben, welche Kleidung oder Farben zu einem Menschen passen, um die Persönlichkeit zu unterstreichen. Auch hier finden wir jetzt nicht mehr die alte Reaktion von Neid, Missgunst oder Kritik, sondern Verständnis und emotionale Anteilnahme

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