ARTIKEL VON

Systemische Astrologie

Konstellationen sind Lösungen
Art.-Nr.: 168

Christopher A. Weidner

Produktform:  Hardcover, zahlreiche Abbildungen, früher ¤ 26.-, jetzt als Sonderausgabe
Seitenzahl:  264
Erscheinungsjahr:  2008
Erscheinungsjahr:  2008
ISBN:  978-3-89997-168-2
EAN:  9783899971682
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Produktdetails

Systemisches Denken hat unsere Vorstellung von der Welt verändert. Zunächst geht der Autor der Frage nach, wie leicht sich systemisches Gedankengut mit astrologischer Tradition verknüpfen lässt und wie gut astrologisches Wissen davon profitieren kann. Im zweiten Teil entwickelt er eine systemische Deutungspraxis. Gut nachvollziehbar werden Schritt-für-Schritt-Anleitungen vorgeschlagen, die das Eingebundensein des Menschen in die Welt transparenter machen können. Im letzten Teil dreht sich alles um die Beratungspraxis auf systemischer Basis: Wie verändert der systemische Ansatz unsere Vorstellungen über eine gute Beratung? Welche Methoden begünstigen ein lösungsorientiertes Vorgehen? Wie werden aus Problemen Lösungen? Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einbettung astrosystemischer Aufstellungsarbeit in das Beratungsgeschehen. Mehr als alles andere zielt dieser Ansatz auf die Verbesserung der astrologischen Arbeit mit Menschen ab und möchte die Kompetenz des beratenden Astrologen stärken.

Autorenporträt

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 Christopher A. Weidner Christopher A. Weidner (1967), Studium der Geschichte des Mittelalters, Indogermanistik und nordische Philologie. Examinierter Astrologe TPA, seit 1994 als Astrologe und freischaffender Autor tätig. 1996 gründete er die Schule "Phoenix Astrologie". Neben seiner Tätigkeit als Astrologe befasst er sich intensiv mit Feng Shui.

Leseprobe

Astrologie ist Sprache

Was glauben Sie? In welchem Zusammenhang steht der Transit des Planeten mit dem Anliegen des Klienten? Die Deutung des Horoskops gleicht auf den ersten Blick der Arbeit eines Übersetzers: Als Astrologinnen und Astrologen übertragen wir die Symbole des Horoskop in Alltagssprache, kleiden das, was wir im Horoskop sehen, in unsere Sprache, sodass wir es zum Beispiel in einer Beratung mitteilen können – aus „astrologisch“ wird „deutsch“ (oder jede andere Sprache, die wir beherrschen und die unser Gegenüber versteht).

Auch wenn wir noch sehen werden, dass dieser Vergleich schwierig ist, macht er doch auf ein wesentliches Merkmal astrologischer Arbeit aufmerksam: Es geht immer auch um die Umwandlung von Astrologie in Sprache. Man könnte sogar so weit gehen, dass ohne Sprache Astrologie nicht denkbar ist. Erst das menschliche Wort verwandelt das Horoskop in etwas Bedeutsames. Dies ist natürlich besonders augenfällig, wenn es um Beratungen geht, aber es gilt ganz allgemein für jeden Deutungsprozess.

Was auf den ersten Blick trivial erscheint, ist auf den zweiten Blick ganz und gar nicht trivial. Jeder Übersetzer weiß, dass übersetzen auch bedeutet, Verluste in Bezug auf Bedeutung hinzunehmen, denn die meisten Wörter besitzen mehr als nur eine Bedeutung, und erst der Zusammenhang, in dem sie auftauchen, zeigt, in welchem Sinn sie verwendet werden. Nehmen wir das englische Wort „odd“: Es kann „merkwürdig“ bedeuten, aber auch „ungerade“ und „gelegentlich“. Wann bedeutet es nun was? Je nachdem, in welchem Kontext uns das Wort begegnet, werden wir es wissen: Ist die Rede von „odd numbers“, dann wissen wir, es geht sehr wahrscheinlich nicht um merkwürdige Zahlen, sondern um ungerade, und wenn wir hören: „This was an odd thing to do“, dann können wir davon ausgehen, dass dem Sprecher etwas Merkwürdiges begegnet ist, während jemand, der von einem „odd job“ spricht, sehr wahrscheinlich Gelegenheitsarbeiter ist.

Übersetzen heißt entscheiden, welche Bedeutung ich einem Wort gebe, und ich nehme damit in Kauf, dass möglicherweise viele Nuancen, die in der Originalsprache mitklingen, verloren gehen. Denken Sie jetzt an Uranus, der im Quadrat zum Deszendenten steht. Welche Bedeutung hat er? Umbruch in der Partnerschaft oder eher eine Art Wende in der Beziehung? Oder ist eine ganz allgemeine Lebenskrise gemeint? Oder heißt es, dass ungewöhnliche Begegnungen auf dem Plan stehen? Oder dass sich jemand uns gegenüber ungewöhnlich verhält? Oder dass sich unsere Umwelt verändert? Und wenn das so ist: Verändern wir diese Umwelt, oder wird sie verändert? Sie merken: Die Übersetzung dieses Transits ist alles andere als einfach. Erst die Einschränkung durch das Anliegen erlaubt es uns, die Konstellation in einem bestimmten Zusammenhang zu sehen und zu deuten. Dabei gehen zunächst alle anderen Deutungszusammenhänge, die ebenfalls denkbar wären, verloren. Aus diesem Grund ist astrosystemische Beratung klientenzentriert: Nicht wir als Astrologen bestimmen, in welchem Zusammenhang etwas zu betrachten ist, sondern der Klient legt den Deutungsrahmen über das Anliegen fest, das er uns stellt. Genau aus diesem Grund legen wir so viel Wert auf eine gründliche Klärung des Anliegens, denn nur dieses erlaubt es uns, astrologische Konstellation in ihrer Bedeutung präzise auf das Leben des Klienten zu beziehen. Keine Beratung ohne Anliegen.

Das mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, und das ist es vielleicht auch, wenn wir vom alltäglichen Verständnis von Sprache ausgehen, nach dem Sprache ein Werkzeug ist, um das, was wir wahrnehmen, zu kommunizieren, also anderen mitzuteilen. Sprache ist dann nichts anderes als ein Medium, das bestehende Sachverhalte ausdrückt. Wenn Sie „Baum“ sagen, dann meinen Sie auch einen Baum und gehen davon aus, dass die Bedeutung des Wortes „Baum“ klar und eindeutig ist. Das gesprochene Wort dient lediglich dazu, die Wirklichkeit zu beschreiben. Jemand, der Ihnen zuhört, wird genau wissen, was Sie gerade gesagt haben: Ein Baum ist ein Baum.

Für das Wort „Baum“ ist dies sicherlich noch gut nachvollziehbar, sicherlich auch für Katze, Stein, Haus. Doch wie sieht es mit Wörtern aus, die weniger gegenständlich sind und zum Beispiel Zustände oder Empfindungen beschreiben? Wenn Sie zum Beispiel von „Depression“ sprechen oder von einem „Eheproblem“, wissen Sie dann ganz genau, dass Ihr Gegenüber auch genau das darunter versteht, was Sie damit ausdrücken wollen? Ich meine: Können Sie sich wirklich ganz sicher sein? Bleiben wir bei der Astrologie: Astrologen sagen, Venus stehe für „Hingabe“. Aber was genau meinen sie damit? Und was meinen Sie damit, wenn Sie von Hingabe sprechen? Und was glauben Sie, höre ich oder irgendein anderer, wenn Sie von Hingabe sprechen? Können Sie sich sicher sein, dass ich genau das Gleiche darunter verstehe wie Sie?

Hier merken wir, dass das Alltagsverständnis von Sprache in den meisten Fällen gut genug ist, um Verständigung zu gewährleisten. Die Grenzen werden sichtbar in genau den Bereichen des Lebens, die zum täglichen Brot der meisten Astrologinnen und Astrologen gehören: wenn wir über den Charakter eines Menschen sprechen möchten, über seine psychischen Eigenheiten, seine Verhaltensweisen, die Merkmale seiner Persönlichkeit.

Ein etwas erweitertes Verständnis von Sprache versucht diesem bekannten Umstand Rechnung zu tragen, indem wir Begriffe, wenn wir sie verwenden, zu definieren versuchen, um Zweideutigkeiten zu vermeiden. Das ist das Prinzip eines Wörterbuchs: Hier werden alle Bedeutungen eines Wortes aufgelistet. Schlagen wir also in einem Wörterbuch unter „Hingabe“ nach, dann würden wir vielleicht Erklärungen finden, die das Wort in wenigstens drei unterschiedliche Kategorien einteilen: Hingabe im Sinne einer Überlassung, also etwas weggeben, Hingabe im Sinne von Leidenschaft für eine Sache, und Hingabe im Sinne von Opferbereitschaft. Alle drei Bedeutungen des Wortes „Hingabe“ haben etwas gemeinsam (sind sich ähnlich), aber sie unterscheiden sich auch, sodass es sinnvoll sein kann, darauf hinzuweisen, was wir damit meinen, wenn wir als Astrologen von „Venus“ und „Hingabe“ sprechen.

Diese Sichtweise von Sprache geht davon aus, dass Wörter dazu da sind, die Wirklichkeit auf eine bestimmte Weise wiederzugeben, auch wenn dies bedeutet, dass wir prüfen müssen, ob das Wort, das wir verwenden, auch wirklich mit dem Sachverhalt, den wir beschreiben möchten, übereinstimmt. Doch wenn wir diese Unsicherheit beseitigt haben, ist Sprache ein präzises Mittel, um die Realität abzubilden, so die Annahme. Wir gehen demnach davon aus, dass es so etwas wie „Hingabe“ gibt und die Sprache in manchen Kontexten nur zu ungenau ist, um das Wort im ersten Anlauf zu erfassen.

Auch wenn dieser Standpunkt gegenüber dem Alltagsverständnis von Sprache differenzierter ist, geht er von der gleichen gedanklichen Voraussetzung aus: Sprache bildet die Wirklichkeit ab, und über Sprache lässt sich herausfinden, was wirklich ist.

Dem stelle ich eine dritte Sichtweise gegenüber: Sprache ist Wirklichkeit. Das bedeutet: Was wir mit Wörtern ausdrücken, existiert, weil wir es mit Wörtern ausdrücken. Das, worauf das Wort hinweist, entsteht erst in dem Augenblick, in dem es gesprochen wird, und kann nicht unabhängig von demjenigen betrachtet werden, der das Wort benutzt, und nicht unabhängig vom Zusammenhang, in dem es benutzt wird, sowie von der Person, an die es gerichtet wird. Anhand des Wortes „Hingabe“ haben wir gesehen, wie instabil eine Bedeutung sein kann. Erst wenn wir wissen, wer dieses Wort verwendet, bekommt es eine feste Bedeutung. Eine vom Kontext unabhängige Bedeutung eines Wortes gibt es in dieser Sichtweise nicht – und damit auch keine Gewissheit darüber, was ein Mensch wirklich sagt, wenn er etwas sagt.

Wenn ich ein Wort höre, dann muss es durch die Filter meiner Wirklichkeit. Ich begegne diesem Wort vor dem Hintergrund meiner gesammelten Erfahrungen, die mich zu einem einzigartigen Individuum machen. Was auch immer derjenige meinte, als er dieses Wort zu mir sagte, bleibt ungewiss. Sicher sein kann ich mir nur über das, was dieses Wort bei mir auslöst. Das wohl bekannte Modell von Sender und Empfänger, nach dem der Sender die Bedeutung einer Botschaft empfängt, muss an dieser Stelle korrigiert werden: Nicht der Sender bestimmt die Botschaft, sondern der Empfänger. Und der Sender kann nur mutmaßen, welche Bedeutung ein Wort, das er dem Empfänger mitteilt, haben wird.

Wörter wie „Hingabe“ sind Konstruktionen desjenigen, der den Begriff benutzt, und Konstruktionen desjenigen, der sie hört.

Kommunikation ist demnach ein ständiger Anpassungsprozess: Wir müssen immer wieder prüfen, wie das, was wir sagen, bei unserem Gegenüber ankommt und unsere eigene Ausdrucksweise daran aussteuern. Gerade in der Beziehung zwischen Berater und Klient ist es sehr wichtig, dass wir uns an der Sprache unseres Klienten orientieren, wenn wir wollen, dass wir vom Gleichen und nicht aneinander vorbei sprechen.

Sprache ist Wirklichkeit, das mag auf der einen Seite zu der Erkenntnis führen, dass ständige Missverständnisse der Normalzustand von Kommunikation sind, doch auf der anderen Seite wissen wir auch: Sprache kann mehr als Botschaften übermitteln – sie kann Wirklichkeiten verändern. Dies ist der Schlüssel zu einer gelungenen astrologischen Beratung: Astrologische Symbole, die in Sprache umgewandelt werden, sind in der Lage, die Wirklichkeit eines Menschen so zu verändern, dass sie im Einklang mit seinen Bedürfnissen und Zielen steht. Ein wesentliches Mittel in der systemischen Beratungspraxis ist dabei die Arbeit mit Metaphern.

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